Viadukt (Ausgabe 2, April – Juni 2004)

 

Vom Weltenbummler-Einstiegspaket bis zum Aussteigerplan

 

Viadukt sprach mit ein paar sächsischen Weltenbummlern. Dabei führte uns die Reise von Laos, Vietnam und dem Baikalsee bis nach Venezuela, Ecuador, Bolivien, Chile, Argentinien und Brasilien

 

Von André Zeidler

 

Der Weltenbummler ist Modernist und Anachronist gleichermaßen. Er ist flexibel, mobil und überaus anpassungsfähig. Er ist aber auch weitestgehend ziellos und unterstellt sich keinen Zwängen. Vor allem aber hat der Weltenbummler einen mächtigen Komplizen – die Zeit. Während der gewöhnliche Alltagsvollstrecker seine Tage scheibchenweise und penibel terminieren muss, gelingt es jener Spezies des rein selbstbestimmten Unterwegsseins, sich großzügige Breschen in Zeit und Raum zu schlagen. Wie zum Teufel die das machen, ist die berechtigte, mit Sehnsucht umwehte Frage des klassischen Urlaubs-Zweiwöchlers.

Für den 1970 geborenen Thomas Kropff aus Reichenbach begann das „Traveller-Dasein„ maßgeblich während seiner Studienzeit in Dresden... Er warf sein Wirtschaftsingenieursstudium und lebt seither als freiberuflicher Reisefotograf...

Während für Thomas Kropff das Reisen mittlerweile zur Profession geworden ist, zog der Falkensteiner Reiko Dürr mit seiner Chemnitzer Partnerin Anja Wolf 2001 einen vorläufigen Schlussstrich unter ihr bisheriges Leben. Vom Arbeitsplatz bis zur Hausratsversicherung kappten sie auch die letzte Verbindung zum bürgerlichen Ver- und Vorsorgeapparat. Mit je einem 30kg-Rucksack ausgestattet, bereisten sie für ein ganzes Jahr den südamerikanischen Subkontinent. Dabei mieden die wagemutigen Sachsen die hässlichen Städte und zelteten meist in unberührter Natur. Ihr mit unvergesslichen Erlebnissen gespickter Weg führte sie über Venezuela, Ecuador, Bolivien, Chile, Argentinien und Brasilien. Über die dringliche Frage der Kosten eines solchen Unternehmens meint Anja Wolf: „Wenn man die Kosten, die für ein Jahr Leben in Deutschland anfallen, zusammenrechnet, so kann mit sich damit komfortabel in Ländern mit niedrigem Preisgefüge bewegen. Jeder von uns besaß für dieses eine Jahr 6000 Euro, womit wir bequem auskamen. Diese Summe beinhaltete alle Schutzimpfungen in Deutschland, Hin- und Rückflug, komplettes Filmmaterial, aber auch mal einen teuren Abstecher nach Galapagos. Also realistischer sind Reise- und Verpflegungskosten von 350 Euro pro Monat und Person. Ein Nebenverdienst vor Ort erschien Anja Wolf als unsinnig. „50 Dollar im Monat rechtfertigen Zeit- und Arbeitsaufwand nicht„, meint die baldige Mama, die mit ihrem Partner Reiko Dürr im Dezember 2002 zurückkehrte und allmählich erst wieder zurück in die hiesigen Gefilde finden musste. Ihre Erlebnisse haben die beiden im Buch „Auf geht´s„ aufbereitet, was 2003 im Vogtland-Verlag erschienen ist.

Wer auch immer wie auch immer sich ausreichend Zeit nimmt für die Inspektion unseres wunderbaren Planeten – eines ist klar: Ohne Vertrauen in sich selbst, Mut und eine gesunde Portion Trotz gegenüber dessen, was all die Bedenkenträger  orakeln, geht es nicht. Vor allem aber geht es nicht ohne Interesse gegenüber dem Anderen – dem Anderen in sich selbst sowie in anderen Kulturen.

 

Infos:

 

- Webadresse Thomas Kropff – www.bilder-der-erde.de

- Webadresse Reiko Dürr – www.reiko-und-anja.de

- Ausrüster und Ratgeber – Klaus und Erika

  Därr aus München (geben u.a. die hervorragende Individual-Reiseführer-Serie „Know How„ für verschiedene Länder und Regionen heraus) - www.daerr.de

- Billige Flüge für Traveller – www.travel-overland.de

- Infos bei der DB über Interrail – für einen Preis einen bestimmten Zeitraum alle Bahnstrecken Europas incl. Türkei und Marokko sowie der Eisenbahnfähren zu benutzbar

 

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