PENINSULA VALDES (Argentinien)
...Von der Straße aus
entdeckten wir dunkle Schatten im Wasser. Das mussten sie sein. Wir liefen
einfach quer feldein durch die Dornenbüsche. Je näher wir kamen umso deutlicher
erkannten wir sie. Die ganze Bucht war voller Wale. Jetzt sollten wir etwas
erleben, was wir nie vergessen werden. Bis auf 10 m vom Ufer entfernt schwammen
die 30 Tonnen schweren Giganten im Schritttempo an uns vorbei. Manche hatten
sogar Jungtiere an ihrer Seite. Schnell hatten wir hier unser Zelt
aufgeschlagen. Etwa 10 Paare aalten sich genüsslich im Wasser. Ihre 4 m großen
Schwanzflossen peitschten dabei auf die Wasseroberfläche. Im Hintergrund
sprangen andere Wale aus dem Meer. Wenn sie wieder aufkamen stoben riesige
Wasserfontainen auf. In den Nächten hallte das Echo ihrer Trompeten zu uns
herüber. Es klang, als lägen alte Elbkähne in der Bucht.
TITICACASEE (Bolivien)
...Wir schlenderten durch den Hafen
und sahen ein selbstgebautes Kajak am Ufer liegen. Da ich mit meiner
angefrorenen Fußzehe eh nicht richtig laufen konnte, saß ich in Gedanken schon
drin... Am kommenden Tag stachen wir in See. Wir paddelten nun auf dem höchsten
schiffbaren See der Welt. Es ging der Sonneninsel entgegen... Der Sage nach ist
diese Insel die Geburtsstätte des Schöpfergottes Wiracocha. Von hieraus
breitete sich einst das Inka-Imperium aus... Die Kinder der Wäschefrauen
empfingen uns stürmisch und wollten gern eine Runde mitfahren. Unsere
Schwimmwesten waren ihnen zwar viel zu groß, aber sie winkten stolz ihren
Eltern vom Wasser aus zu. Schon waren wir akzeptiert und durften hier unser
Zelt aufbauen. Noch ehe wir uns versahen war es von einer Kinderschar in
Beschlag genommen... Am nächsten Morgen konnten wir vom Zelt aus zusehen, wie
die Fischer hinausfuhren und die Händler ihre Waren in kleinen Nussschalen von
Insel zu Insel schafften...
COTOPAXI (Ecuador)
Auch am zweiten Tag lagen wir im
Zelt, weil keine Wetterbesserung in Sicht war. Es sah so aus, als haben wir
keine Chance. Wir konnten nicht ewig warten, da wir nur begrenzt Nahrung und
Kochbenzin bei uns hatten...
Am Mittag rissen die Wolken zum
ersten Mal auf. Wir beschlossen unsere Sachen zu packen und hoch bis zur
Schneegrenze zu steigen. In einem riesigen Gletscherriss schlugen wir
windgeschützt von allen Seiten unser Zelt erneut auf... Der Sturm bei 10 Grad
Minus wurde so stark, dass wir nur in gebückter Haltung vorwärts kamen... Am
nächsten Tag standen wir endlich auf der Kraterranderhebung des höchsten
aktiven Vulkans der Welt. Nur für kurze Zeit konnten wir direkt den
Kraterschlund blicken... Wieder einmal dankten wir Frau Spaghetti und Herrn
Brühwürfel, unseren ständigen Tourenbegleitern in diesem Jahr.
SALAR
DE UYUNI (Bolivien)
...Wir wussten nicht, wie schnell
wir auf dem Salz vorankommen und wo wir wieder Trinkwasser nachtanken können...
Drei Tage lang radelten wir auf den Vulkan Tunupa zu... Nachdem wir unsere Fahrräder durch eine
Kolonie Flamingos geschoben hatten, machten wir uns zu Fuß auf, den Vulkan zu
erklimmen... Am Berg wurden wir Zeugen, wie die Chipaya-Indianer ein Lama an
die Mutter Erde opferten... Ein Mann schüttete das Blut des Tieres über eine
Steinmauer aus der Inkazeit. Auf einem Tuch standen zwei Opferschalen mit
Coca-Blättern, Süßigkeiten und etwas Geld. Jeder einzelne Indio kniete sich an
den Opferschalen nieder und murmelte sein Gebet... Ein Raunen ging durch die
Menge, als auch wir etwas für die Pacha Mama spendierten... Sie hatten uns mit
unseren Fahrrädern auf dem See gesehen. Wir durften bei ihnen bleiben und sogar
fotografieren...
COLCA
CANYON (Peru)
...Auf unserem Abstieg wurden wir
von einer Frau in ihr Lehmhütten-Bauerngehöft zum Essen eingeladen. Sie
erzählte irgendetwas von Meerschweinchen. Die Neugier einmal einen solchen
Braten zu essen, lockte uns. Auf dem Hof stand ein mit Stroh gedeckter
Meerschweinchenstall... Vier dieser bei uns als Streicheltiere geltenden Nager,
mussten heute daran glauben... Sie wurden kurz gebrüht, so ließ sich das Fell
leichter ausrupfen... Weiß und nackig kamen sie in die Pfanne... Als
Beschwerung kam auf jedes Schweinchen ein faustgroßer Stein, so dass überall
Pfannenkontakt hergestellt war... Eine anderthalbe Stunde nach dem Schlachten
lag der Braten schon auf dem Teller...
CORDILLERA
BLANCA (Peru)
...Wir entschieden uns, selbst zwei
Esel zu kaufen. Nach der Wanderung hätten wir die Tiere ja wieder verkaufen
können... Gesagt, getan... Jetzt war das Transportproblem gelöst und wir
konnten noch zwei lebende Hühner vom Markt mitnehmen...In der Nacht holten wir
unser Huhn Anni und unseren Hahn Hans mit ins Zimmer, damit sie keiner klaut.
Punkt 3:30 Uhr fing Hans lauthals an zu krähen. Da auch unsere Gastfamilie
dadurch geweckt wurde, musste er zurück ins Hühnernetz...
Noch kannten unsere Esel die Wege
rund ums Dorf und liefen prächtig... Am Nachmittag mussten wir eine primitive
Holzbrücke überqueren. Der erste Esel lief ohne Probleme darüber. Der Zweite
bockte auch noch nach drei Stunden ziehen, zerren, Augen verbinden, gut
zureden, peitschen und der Hilfe zweier Indios. Er war nicht über die Brücke zu
kriegen...