Unser Baby erzählt von seinen ersten Bergabenteuern

 

Mein Papa Reiko und meine Mami Anja haben mit mir so ziemlich alle Transportmöglichkeiten ausprobiert. Fahrradtauglich war ich ja schon nach vier Wochen. Was im Winter auf mich zukommt, konnte ich erahnen, als sie mich in Kottenheide zum Winterzelten in eine Pulka setzten und die Huskyhunde davor spannten.

In den nächsten Wochen war mein Papa immer das Zugpferd und es ging jede Woche auf einen anderen Erzgebirgsgipfel. Um auch so richtige Bergabfahrten machen zu können, hat Papa die Zugseile gegen Haselnussruten ausgetauscht. So konnten wir fast immer, ohne das ich aus der Pulka gefallen bin, das Tal erreichen. Zum Glück war meine Mutti meistens dabei, was die geplanten Touren doch etwas sanfter werden ließen. Aber einmal, ich weiß es noch genau, auf dem Weg vom Plattenberg nach Bozi Dar, habe ich mir meine kleine Wange angefroren. Ganz blau war sie fast drei Wochen lang.

Aber das Schönste kam noch. Meine Mutti musste für über eine Woche zur Messe nach Frankfurt fahren. Einen Tag später saß ich schon im Auto, so lange wie noch nie. In Österreich bin ich gelandet und die folgende Woche hatte mich Papa mit seinem Bergfreund Dirk Biege zu bedienen.

Zuerst zogen und schoben die mich auf die Steyrer Hütte, gelegen auf 1400 m. Diese Hütte war mehrere Meter hoch eingeschneit. Durch ein gegrabenes Schneeloch erreichten wir die Tür. In der Gaststube war gerade ein Frühschoppen in vollem Gange. Ich mit meinen acht Monaten bekam nur mein Milchfläschchen. Aber die Fahne, als mich so ein Almöh auf die Wange küsste, hat mich gleich in einen tiefen Schlaf befördert. Die Leute schnäpselten nämlich einen auf ihre Hütte. Letzte Woche, in der Nacht vom Mittwoch auf Donnerstag (9./10.3.05) ging nämlich über der Hütte eine Lawine ab und nutzte die zum Glück tief verschneite Hütte als Sprungschanze und  blieb so unversehrt!! Das die mich mit hier hoch nehmen, werde ich gleich als erstes meiner Mutti erzählen.

Papa und Onkel Dirk hatten für die Abfahrt noch Ossi, einen guten Skifahrer mitgebracht. Er musste die Pulka, in der ich seelenruhig schlief, bei der Talabfahrt mit einem Sicherungsseil abbremsen. Gut das ich die längste Zeit geschlafen habe. Als ich einmal meine Äuglein aufgemacht habe, sind sie mir vor Schreck gleich wieder zugefallen. Auf einer Seite sah ich Schnee und auf der anderen Himmel.

Weil alles so gut geklappt hat, sagten die, sollte ich in dieser Woche auch noch von einem Alpengipfel runterschauen. Der Buchberg schien meinen Zugpferden geeignet. Die letzten Meter zum Gipfel waren die Zwei aber zu schlaff, um mich in der Pulka zum Gipfelkreuz zu ziehen. Deshalb bauten sie meine Windschutzplane, aus alten NVA-Beständen hergestellt, zum Tragetuch um. Bei super Sonnenschein konnten wir zum Traunstein und hinüber in den Böhmerwald schauen. Für nächstes Jahr sollten die Beiden etwas mehr trainieren, das nicht so viele Pausen unterwegs nötig sind. J

Nach dieser Woche hatte ich auf meinem Frostbacken auch noch Sonnenbrand, was, wie mein Papa meinte: „den Frostschaden wieder ausgleicht“. Wenigstens hat meine Mutti mit meinem Papa nach diesem Ausflug etwas geschimpft. Mein Papa prahlt aber trotzdem mit meinen ersten Bergbildern und macht sich gar nix draus.

 

Ari Dürr

 

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